Die Heilung

Aktualisiert: 27. Nov 2020

Kürzlich hat sich ein wichtiger Fussballspieler , ein sogenannter „Goalgetter“ eine Mittelfussfraktur zugezogen und er hat auf den sozialen Medien erklärt, dass diese nicht operiert werde, sondern man lasse sie auf natürliche Art heilen. Dies hat in mir Erinnerungen geweckt, denn ich hatte vor Jahrzehnten in meiner Doktorarbeit die Knochenheilung studiert. Ich bin zuversichtlich, dass ein gutes Resultat herauskommt. Die Natur hat für solche Fälle einen Reparaturmechanismus bereit, der sofort in Gang kommt, wenn eine Verletzung geschieht. In diesem Fall werden Zellen aktiv, welche vorher eine ganz andere Funktion hatten: Bindegewebe wird gebildet zur Stabilisierung der Fraktur,dazu Knorpel zur Überbrückung und wenn das Ganze stabil genug ist, wird der Knochen neu formiert. Es werden sogar Achsenabweichungen ausgeglichen und vorübergehend findet eine Verstärkung des betroffenen Knochens statt, welche später wieder der Belastung angepasst wird. Das alles ist irgendwie zauberhaft vorprogrammiert und wenn man dies beobachten kann, ist man fasziniert vom Geschehen.

Dasselbe erlebt man als Arzt in vielen Fällen. Die Natur versucht immer, zu einer für den Organismus günstigen Lösung zu kommen. Dabei unterstützen sich die verschiedenen Systeme gegenseitig, so gut sie können. Im Gegensatz zu unserer Gesellschaft gibt es keine Egoisten (vielleicht mit Ausnahme der Krebszellen,welche eher Anarchisten sind), sondern eine gegenseitige Hilfestellung ist üblich. Wird zum Beispiel im Knochenmark zu wenig Blut gebildet, versuchen Milz und Leber den Mangel zu kompensieren. Es käme auch keiner Bauchspeicheldrüse in den Sinn, ihren Nachbarn, die Leber, zu bekämpfen, nur weil sie sich ebenfalls mit der Verdauung befasst. Alle „wissen“, dass sie ohne die funktionierenden Partner selbst auch eine schlechte Prognose haben.

Wir können also häufig damit rechnen, dass eine Krankheit spontan heilt. Die Kunst unseres Berufes ist es, diese Heilung zu unterstützen oder zu erkennen, wann es die Natur ohne Hilfe wahrscheinlich nicht schafft. Dazu sind seit Jahrhunderten Hilfsmittel und Medikamente, sowie Heilpraktiken eingesetzt worden. In der modernen Medizin sind diese raffinierter, effektiver, aber auch teurer geworden. Sie werden im grossen Stil angeboten und auch verlangt. Etliche Leute vertrauen nicht mehr auf die Natur und das Wissen über einen Spontanverlauf hat deutlich abgenommen. Dass man sich im oben genannten Fall für eine so genannte „konservative“ Therapie entschieden hat, zeugt von gut angewandtem Fachwissen. Zuversicht und Geduld sind Pate gestanden und werden zur Heilung beitragen.


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